Die neuere Norm ISO 16890 ersetzt die alte Norm EN 779
Derzeit gewinnt die Luftreinheit sowohl in Industrie- als auch in öffentlichen und Wohngebäuden zunehmend an Bedeutung. Lüftungssysteme und deren Filterung spielen eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung einer guten Raumluftqualität, die sich auf die menschliche Gesundheit, die Produktivität und die Lebensdauer von Technologien auswirkt. Die Norm ISO 16890, die 2016 eingeführt wurde und seit 2018 die vorherige europäische Norm EN 779vollständig ersetzt, stellt einen völlig neuen Ansatz zur Bewertung der Wirksamkeit von Filtern für allgemeine Lüftungsanwendungen dar.

Grundlegende Informationen zur Norm ISO 16890
Die Norm ISO 16890 trägt den offiziellen Titel „Luftfilter für allgemeine Lüftungszwecke”. Die Norm bietet eine realistischere Methode zur Prüfung von Filtern, die auf tatsächlichen Luftbedingungen basiert.
Das Grundprinzip besteht darin, Filter nach ihrer Wirksamkeit beim Auffangen von Partikeln unterschiedlicher Größe zu bewerten:
- ISO coarse – Filter mit einer Wirksamkeit von < 50 % für PM10 – grobe Verunreinigungen.
- ePM10 – Partikel bis 10 µm (Pollen, Sporen, grober Staub). Diese Partikel gelangen in die oberen Atemwege.
- ePM2,5 – Partikel bis 2,5 µm (Feinstaub, Bakterien). Diese Partikel gelangen in die unteren Atemwege.
- ePM1 – Partikel bis 1 µm (Viren, Ruß, Smog). Diese Partikel können bis in den Blutkreislauf gelangen.
Jeder Filter wird auf seine Fähigkeit getestet, diese Größenfraktionen aufzufangen, und auf dieser Grundlage in die entsprechende Kategorie eingestuft. „Coarse” bedeutet auf Englisch „Grobheit” und „PM” steht für „Particulate Matter” – also Staubpartikel.
Staubpartikel haben unterschiedliche Größen und stammen aus vielen Quellen – natürlichen (Pollen, Schimmel, Erosion) und menschlichen (Verkehr, Industrie, Heizung, Landwirtschaft). Größere Partikel (ca. 10 µm) sind sichtbar, aber gefährlicher sind kleinere (z. B. 0,3 µm), die tiefer in den Körper eindringen. Die Luftqualität variiert je nach Ort und Wetter, daher muss die Filterlösung an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden.
ISO 16890 bewertet Filter anhand des tatsächlichen Verschmutzungsgrades und verwendet dabei die gleichen Parameter wie die Weltgesundheitsorganisation. Daten zur Luftqualität sind in der Regel online verfügbar, sodass der lokale PM-Partikelgehalt leicht ermittelt werden kann.
Auf der Grundlage dieser Informationen kann eine geeignete Filterung ausgewählt werden. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Grenzwerte von 20 μg/m³ für PM10 und 10 μg/m³ für PM2,5. Bei PM1-Filtern hängt dies von der spezifischen Anwendung ab. ISO 16890 erleichtert somit die Auswahl des richtigen Filters im Vergleich zur älteren Norm EN 779 erheblich.
Warum ist ISO 16890 besser als die vorherige Norm?
Die vorherige Norm EN 779 klassifizierte Filter nach ihrer Wirksamkeit bei einer bestimmten Partikelgröße (0,4 µm), was nicht die tatsächliche Zusammensetzung der Luft widerspiegelte. Die neuere Norm ISO 16890 bewertet Filter anhand eines breiteren Spektrums von Partikeln (PM10, PM2,5 und PM1) und liefert damit ein realistischeres Bild ihrer Leistung in der Praxis, was den Kunden die Auswahl einer für ihre Umgebung geeigneten Filterung erleichtert.

Prinzip der Prüfung gemäß ISO 16890
Das Prüfverfahren gemäß ISO 16890 umfasst mehrere Schritte:
- Vorbehandlung des Filters – Der Filter wird synthetischem Staub (ISO A2) ausgesetzt, um eine Verschmutzung zu simulieren.
- Messung der Filterleistung – Die Leistung des Filters beim Auffangen von Partikeln im Bereich von 0,3 bis 10 µm wird analysiert.
- Bestimmung der durchschnittlichen Leistung – Wenn der Filter mindestens 50 % der Partikel einer bestimmten Größenklasse (z. B. PM2,5) auffängt, wird er als ePM2,5 klassifiziert.
- Rundung – Der Wert wird im Format z. B. ePM2,5 65 % angegeben.
Neben der Effizienz selbst berücksichtigt die Norm auch den Druckwiderstand, der den Energieverbrauch des Lüftungssystems beeinflusst.
Praktische Auswirkungen und Bedeutung der Norm
Die Einführung der ISO 16890 bedeutet einen großen Fortschritt für Planer, Facility Manager und Endnutzer:
- Realistischere Informationen darüber, was der Filter tatsächlich auffängt
- Einfacherer Vergleich von Produkten verschiedener Hersteller
- Möglichkeit, den Filter nach Gesundheitsrisiken auszuwählen (z. B. in Schulen, Krankenhäusern oder Smoggebieten)
- Bessere Kontrolle der Betriebskosten durch Optimierung zwischen Effizienz und Druckwiderstand
ISO 16890 trägt somit nicht nur zur Verbesserung der Luftqualität bei, sondern auch zu einem nachhaltigeren Betrieb von HLK-Anlagen.
